5.7.2014 Notfallsymposium

Mehr Sicherheit bei Atemwegsnotfällen


(v.l.): Christian Ernst, Dr. Stefan Kappus, Dr. Björn Hossfeld, Dr. Gordon Hoffmann, Dr. Martin Dotzer, Christian Thiel

Neues Gerät für Christoph 15 - Notfallsymposium am Klinikum St. Elisabeth

Seit Kurzem startet der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 15 von der neu gebauten Luftrettungsstation auf dem Dach des Klinikums St. Elisabeth. Grund genug, die Inbetriebnahme mit einem Notfallsymposium zu verbinden. Rund 70 Notärzte, Rettungsassistenten und Mitarbeiter des Rettungsdienstes aus der Region kamen am Samstag in die Krankenpflegeschule, um sich über das Management des schwierigen Atemweges, sowie Verbrennungs-, Tauch- und Ertrinkungsunfälle auf den neuesten Stand zu bringen.

Auf großes Interesse stieß die Vorstellung des neuen Videolaryngoskops. Dieses Gerät erleichtert aufgrund einer Mikrokamera und eines Monitors die Platzierung eines Beatmungsschlauches in der Luftröhre im Rahmen der Narkoseeinleitung. Diese Neuanschaffung stellt einen weiteren Schritt zur Optimierung der Patientensicherheit im Rahmen der Behandlung von Atemwegsnotfällen im Rettungshubschrauber Christoph 15 dar. 

Dr. Stefan Kappus, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst aus Hamburg, nannte die vorklinische Behandlung von Schwerbrandverletzten aufgrund geringer Fallzahlen eine große Herausforderung. 

Nach dem nur kurzzeitigen Kühlen der Verbrennung mit Wasser durch den Ersthelfer müsse von Seiten der professionellen Retter anschließend besonders auf den Wärmeerhalt des Verletzten geachtet werden. Neben adäquater Schmerztherapie wurden die gängigen Konzepte zur Infusionstherapie erläutert.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem seien neben den offensichtlichen Hautveränderungen die giftigen Gase, die im Rahmen einer Verbrennung freigesetzt würden. „Von den 800 Brandtoten jährlich in Deutschland sind 95 Prozent Rauchopfer“, sagte Dr. Kappus. Hitze, Rauchpartikel und Gase könnten zu einem Inhalationstrauma führen und müssten vom Notarzt schnellstmöglich erkannt und therapiert werden. Ob der Schwerbrandverletzte in eine Klinik mit Unfallchirurgie oder besser in ein Zentrum für Schwerbrandverletzte – die nächsten sind in München und Nürnberg - gebracht wird, hänge sowohl von Lokalisation, Ausmaß und Ausdehnung der Verbrennung, als auch von den Begleitverletzungen ab. Der Rettungshubschrauber sei aufgrund seiner Schnelligkeit ein ideales Rettungsmittel. 

Dr. Gordon Hoffmann von der Klinik für Anästhesie der LMU München setzte sich kritisch mit verschiedenen auf dem Markt vertriebenen Geräten zur Atemwegssicherung auseinander. In der Diskussion herrschte Konsens, dass die Intubation die beste Atemwegshilfe ist und dass sie vom Ausführenden große Erfahrung erfordert. Der Larynxtubus (Kehlkopftubus) sei allerdings – trotz kritischer Auseinandersetzung mit der nicht eindeutigen Studienlage - eine weit verbreitete Alternative für den schwierigen Atemweg, machte sich Christian Thiel, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Straubing, für das im bayerischen Rettungsdienst nahezu flächendeckend verwendete Instrument zur Sicherung des Atemwegs stark.

Dr. Martin Dotzer, leitender Anästhesist an der BG Unfallklinik Murnau, sprach über die unterschiedlichen Therapieansätze bei Tauch- und Ertrinkungsunfällen. Eine Möglichkeit sei die Behandlung in einer Druckkammer. Die Besonderheiten des Lufttransportes in eine geeignete Einrichtung wurden ebenfalls thematisiert. 

Nach den Vorträgen bestand für das medizinische Team von Christoph 15 die Gelegenheit, sich in einem Workshop unter Anleitung von Oberfeldarzt Dr. Björn Hossfeld mit dem neuen Videolaryngoskop vertraut zu machen.

Veranstalter des Notfallsymposiums war Leitender Hubschrauberarzt Christian Ernst. -urs-